März 2026  – KW 10


PASSAGE



Herausgegeben von artando & formixx
Editor: Hans-J. Schwarzer, editor@passagemag.com

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C/O Berlin × Botanischer Garten – Kooperation als Modell

Was passiert, wenn eine Fotoausstellung und ein Botanischer Garten zueinander finden? Beim C/O Berlin und dem Botanischen Garten Berlin entsteht genau das: eine Kooperation, die auf den ersten Blick unwahrscheinlich wirkt – und gerade deshalb funktioniert.

Graciela Iturbide – Eyes to Fly With – so heißt die aktuelle Ausstellung im C/O Berlin. Die erste große Retrospektive der mexikanischen Fotografin zeigt ikonische Serien und bisher unveröffentlichte Aufnahmen aus über fünf Jahrzehnten, die von der mexikanischen Kultur, weiblichen Identitäten und spirituellen Dimensionen des Alltags erzählen.

Die Galerie bringt Blick und Kontext, der Garten bringt Raum und lebendige Materie. Das eine ist Kultur im klassischen Sinne, das andere ein Wirtschaftsbetrieb mit wissenschaftlichem Auftrag. Und doch ergänzen sie sich auf eine Weise, die beide stärker macht.

Die interessantesten Kooperationen entstehen dort, wo zwei Welten scheinbar nichts miteinander zu tun haben – und dann plötzlich merken, dass sie dieselbe Sprache sprechen. Nur eben mit anderen Worten.

🔗 C/O Berlin – Graciela Iturbide | Botanischer Garten Berlin


Der Baum der Wunder – Xisui Design

Ein Spielplatz der nicht neu sein will. Das Shanghaier Büro Xisui Design – bekannt für seine organischen, parametrisch entworfenen Spiellandschaften – hat einen Baum entworfen, der 1000 alte Spielzeuge in sich trägt. Kein Wegwerfen, kein Ersetzen. Stattdessen: Einarbeiten, Bewahren, Verdichten.

Der Baum wird zur Zeitkapsel einer ganzen Kindheitsgeneration. Was einmal in Kinderhänden lag, findet hier eine neue Form – nicht als Nostalgie, sondern als gebaute Erinnerung.

Xisui zeigt damit, dass ein Spielplatz mehr sein kann als ein Ort zum Toben. Er kann ein Ort des Innehaltens sein.

🔗 Xisui Design | DOMUS


Gelesen

Ulrich Raulff – Wie es euch gefällt. Eine Geschichte des Geschmacks

Der Geschmack gehört zu jenen kulturellen Phänomenen, von denen jeder spricht, ohne genau sagen zu können, worin sie eigentlich bestehen. Ulrich Raulff folgt dieser rätselhaften Kategorie durch mehrere Jahrhunderte europäischer Kulturgeschichte – von den Salons des 18. Jahrhunderts bis zu den ästhetischen Signalen der Gegenwart.

Sein Buch ist weniger eine Theorie des Schönen als ein gelehrter Spaziergang durch Moden, Vorlieben und Abneigungen. Geschmack erscheint dabei nicht als feste Regel, sondern als eine bewegliche kulturelle Praxis, in der sich persönliche Empfindung, gesellschaftliche Konvention und ökonomische Interessen überlagern.

Vielleicht liegt gerade darin seine Pointe:

Geschmack ist kein Urteil – sondern eine historische Bewegung.

Empfohlen besonders Gestaltern – und vielleicht auch jenen Kreativabteilungen, die derzeit Werbespots produzieren, in denen zwei Frauen beim Gymnastiktraining über Inkontinenzeinlagen sprechen müssen. Man fragt sich unwillkürlich, ob darin nicht auch etwas vom Geschmacksempfinden der Gestalter selbst sichtbar wird.

Sehr interessant ist ein Gespräch mit Raulff über Geschmack, Gegenschönheiten und ästhetische Grenzüberschreitungen.

Interview mit Ulrich Raulff über Geschmack

Darin beschreibt er Geschmack als etwas, von dem jeder glaubt, ihn zu besitzen, obwohl er schwer zu definieren ist.